Ostern

Der Herr ist auferstanden, Halleluja! Er ist wahrhaftig auferstanden, Hallelujah!

Mit diesem Gruß verkünden wir in der Osternacht die Auferstehung des Herrn. Das Hallelujah ist der Osterruf schlechthin. Entsprechend freudig fällt auch die Musik hierzu aus. Bekanntestes Beispiel ist sicher das Hallelujah aus Händels Messiah:

(VOCES8, the VOCES8 Scholars und Apollo5 / Academy of Ancient Music / Ltg.: Barnaby Smith)

Das Halleluja als Osterjubel ist in den Gottesdiensten der Christen fest verankert, es wird traditionell direkt vor der Lesung des Evangeliums gesungen und verknüpft so die Auferstehung mit der frohen Botschaft (altgriech. Evangelium).

Wie das in in den Gottesdiensten nach der Reformation geklungen haben könnte, zeigt dieses fünfchörige klangvolle Halleluja von Michael Praetorius (1571-1621):

Praetorius-Konzert DFK 2012

(Kantorei der Dreifaltigkeitskirche, Vokalensemble The Blue Notes, Orchester La Banda. / Aufnahme Th. Petri)

 

Christ ist erstanden - Christ lag in Todesbanden

Unser wichtigstes Osterlied und gleichzeitig das älteste deutsche Kirchenlied ist „Christ ist erstanden“ (EG 99). Es geht auf einen altkirchlichen Hallelujagesang zurück, nämlich die etwa 1000 Jahre alte Ostersequenz „Victimae paschali laudes…“ (lat. „Singt das Lob dem Osterlamme, bringt es ihm dar, ihr Christen.). Der einstimmige gregiorianische Gesang ist quasi der Steinbruch, aus dem einzelne Teile unseres Liedes entnommen wurden. Mehr dazu in diesem Beitrag.

 

Hier ein Klangbeispiel der zugrundeliegenden alten gregorianischen Gesanges:

Ostersequenz: Victimae paschali laudes

 

Sequenz (lat. "Folge") wurde der Gesang genannt, der direkt auf das "Halleluja" folgte.

Martin Luther musste diese Ostersequenz sehr gefallen haben so dass er aus Teilen der Melodie ein neues Osterlied erschuf: „Christ lag in Todesbanden“, EG 101. Gleich in der ersten Choralzeile erkennt man die melodische Übereinstimmung fast Note für Note. Die ersten Töne der Sequenz (von „Victimae“ bis „laudes“) erklingen dabei eine Quint höher.

Christ lag in Todesbanden Melodievergleich

Hier das Lied im Choralsatz von J.S.Bach (BWV 278)

(Chamber Choir of Europe & Nicol Matt)

Christ lag in Todesbanden, / für unsre Sünd gegeben, / der ist wieder erstanden / und hat uns bracht das Leben. / Des wir sollen fröhlich sein, / Gott loben und dankbar sein / und singen Halleluja. / Halleluja.

Und hier eine Orgelbearbeitung Bachs aus seinem „Orgelbüchlein“ (BWV 625):

(Wolfgang Zerer an der Schnitger-Orgel der Martinikerk Groningen)

Das Lied ist in der Kirchentonart dorisch geschrieben und steht damit im Spannungsfeld zwischen Dur und moll. Man spürt noch die schmerzvolle Stimmung, die an Jesu Tod erinnert und gleichzeitig die große innere Kraft der Osterbotschaft

 

Bachkantate

Von J.S. Bach gibt es eine sehr frühe Kantate (entstanden ca. 1707-1713) zu diesem Lied: Christ lag in Todesbanden, BWV 4

(Ensemble Orlando Fribourg,Ltg.: Laurent Gendre)

Da die Kantate den Triumph Christi über den Tod beschreibt, wird der Tod selbst musikalisch ausführlich thematisiert, wodurch diese Kantate nicht gerade zu den umbekümmert fröhlichen Ostermusiken gehört. Besonders der 3. Satz „Den Tod niemand bezwingen konnt“ klingt in seiner schmerzvollen Chromatik eher wie eine Passionsmusik. Auf der CD „Morimur“ des Hililard-Ensembles wird diese Musik Bachs Violin-Chaconne unterlegt und und so verschiedenen Querbezügen in Bachs Musik nachgespürt.

(Christoph Poppen - Violine / Hilliard Ensemble)

Noch einmal: „Victimae paschali laudes“

Die beiden Liedern (EG 99 und EG 101) zugrunde liegende Ostersequenz „Victimae paschali laudes“ hat bis heute einen festen Platz in den Ostergottesdiensten der katholischen Kirche. Durch ihre innere musiklische Kraft und Dramatik ist sie eine gerne verwendete Vorlage für große Orgelmusik.

Hier eine beeindruckende Vertonung von Charles Tournemire (1870-1939), Schüler von César Franck und Charles Marie Widor und Nachfolger Francks an der Pariser Kirche Ste-Clothilde:

Olivier Penin an der Orgel von Ste-Clothilde, Paris, dem Wirkungsort von César Franck und Charles Tournemire.

Man spürt dieser Komposition an - wie auch der folgenden von Jean Langlais - , dass auch hier sowohl der Kampf gegen den Tod wie auch der Triumph über den Tod thematisiert wird: Karfreitag und Ostern gehört zusammen.

Lumen Christi: Christus - Licht der Welt

Diesen Osterruf kennen wir aus der Osternacht: Er wird beim Einzug der Osterkerze an drei Stationen in der noch dunklen Kirche angestimmt, jedesmal einen ganzen Ton höher:

Christus - Licht der Welt / Gott sei ewig Dank

 

Dieser einprägsame Ruf mit seiner fallenden Terz wurde von dem französischen Organisten und Komponisten Jean Langlais (1907-1991) als Thema für eine großartige Schlußimprovisation bei der Ostermesse aufgegriffen: Incantation pour un jour saint. (Auch diese Komposition entstand in Ste-Clothilde, Paris)

(Colin Walsh an der Orgel der Lincoln Cathedral)

 

Traugott Mayr